Vom Sündenbock zum Lamm Gottes
Sinn und Form – Beiträge zur Literatur gehört zu den inzwischen gar nicht mehr so seltenen Kulturzeitschriften Deutschlands, deren Tradition länger als fünf Jahre zurückreicht. Gegründet von Johannes R. Becher und Paul Wiegler vor inzwischen achtundfünfzig Jahren, nämlich 1949 in der ebenfalls frisch gegründeten DDR, ist Sinn und Form für manche Zeitgenossen das Beste, was von drüben auf uns gekommen ist. Eigentlich sollte Sinn und Form nach der von Thomas Mann gegründeten, nicht lange existierenden Exilzeitschrift Maß und Wert benannt werden, aber der Dichter weigerte sich, den Titel freizuschalten. Heute wird das zweimonatlich erscheinende Heft in Broschur von der Berliner Akademie der Künste herausgegeben – und wirkt mit ihrem chevalesken, an Ritterlichkeit wie Expressionismus appellierenden Titel wie ein Kampfblatt der alten Wortkultur im lärmenden Geschepper dessen, was heute Medien heißt.