Thomas Palzer: 24. Februar 2009

Monthly Archive for February, 2009

24. Februar 2009

Wien und New York: kunst und kirche. Ökumenische Zeitschrift für zeitgenössische Kunst und Architektur

Es waren die Glocken, die das christliche Europa in seinen frühen Anfängen über Berg und Tal hinweg synchronisierten. Die Französische Revolution versuchte das Glockenspiel massiv einzudämmen – für sie war der Glockenturm Sinnbild einer verabscheuungswürdigen Hierarchie. Später streiten Kirche und Staat, Bürgermeister und Pfarrer um das Recht am Läuten. Im 19. Jahrhundert besitzen die ländlichen Gemeinden in Frankreichs keine öffentliche Uhr – womit dem Stundenschlagen eine ebenso hohe Bedeutung zukommt wie dem Läuten zu besonderem Anlass, etwa, wenn die Gefahr eines Sturms oder einer Flut droht. Die Steuereintreiber lassen ihr Kommen durch Glockenläuten ankündigen. Kurz, Mensch und Glocke entwickeln über die Jahrhunderte eine besondere Gefühlskultur – und die geht erst im 20. Jahrhundert durch den Vormarsch moderner Kommunikationsmittel, den Wandel der sensorischen Umwelt, durch Veränderung der Wahrnehmungsschwellen uvm. zugrunde.
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