Thomas Palzer: 24. April 2012

Archive for the 'KIOSK' Category

24. April 2012

TP Der Literaturkritiker Christoph Bartmann, Direktor des New Yorker Goethe-Instituts, hat sich jüngst mit der schönen neuen Welt der Angestellten auseinandergesetzt und ein brillantes Buch über das „Leben im Büro“ geschrieben. Wenn man so will, ist die Analyse eine angemessene Fortführung des Klassikers „Die Angestellten“ von Siegfried Kracauer aus dem Jahr 1930, in dem es nach wie vor gültig heißt:

Spr Eine moralisch-rosa Hautfarbe – diese Begriffskombination macht mit einem Schlag den Alltag transparent, der von Schaufensterdekorationen, Angestellten und illustrierten Zeitungen angefüllt ist. Seine Moral soll rosa gefärbt sein, sein Rosa moralisch untermalt.

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27. März 2012

TP Natürlich ist es naiv anzunehmen, dass der Geist in unserem Kopf wie ein Pilot in der Kanzel sitzt und den materiellen Rest, unseren Körper, von dort oben durch die Gegend steuert. Das glauben nur Zyklopen und Kartesianer. Andererseits gibt das Verhältnis von Körper und Geist jeder Kultur beharrlich zu denken. Besonders zu denken gibt die Frage nach der Körperhaltung, die man optimalerweise einzunehmen hat, wenn man erfolgreich seinen Kopf benutzen will – zum Denken, zum Träumen, zum Beichten. Nietzsche war der Auffassung, dass man keinem Gedanken trauen soll, der im Sitzen entstanden ist. Das denkt auch die katholische Kirche, weshalb im Beichtstuhl bekanntlich gekniet wird. Zumindest auf der Seite des Delinquenten. Eingedenk der Tatsache, dass die Lebensform, die sich am erfolgreichsten über die Erde verbreitet hat, die im Büro ist, wiewohl die Bürokultur trotz ehrgeiziger Zielvorgaben, Power-Management, kursorischer Meetings und unentwegter Evaluierung bislang nur Bürokratie produziert hat,  die sie neuerdings Dienstleistung nennt, eingedenk dieser Tatsache also teilen wir zusammen mit der katholischen Kirche diese Auffassung.

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28. Februar 2012

TP           Natürlich ist es naiv anzunehmen, dass der Geist in unserem Kopf wie ein Pilot in der Kanzel sitzt und den materiellen Rest, unseren Körper, von dort oben durch die Gegend steuert. Das glauben nur Zyklopen und Kartesianer. Andererseits gibt das Verhältnis von Körper und Geist jeder Kultur beharrlich zu denken. Besonders zu denken gibt die Frage nach der Körperhaltung, die man optimalerweise einzunehmen hat, wenn man erfolgreich seinen Kopf benutzen will – zum Denken, zum Träumen, zum Beichten. Nietzsche war der Auffassung, dass man keinem Gedanken trauen soll, der im Sitzen entstanden ist. Das denkt auch die katholische Kirche, weshalb im Beichtstuhl bekanntlich gekniet wird. Zumindest auf der Seite des Delinquenten. Eingedenk der Tatsache, dass die Lebensform, die sich am erfolgreichsten über die Erde verbreitet hat, die im Büro ist, wiewohl die Bürokultur trotz ehrgeiziger Zielvorgaben, Power-Management, kursorischer Meetings und unentwegter Evaluierung bislang nur Bürokratie produziert hat,  die sie neuerdings Dienstleistung nennt, eingedenk dieser Tatsache also teilen wir zusammen mit der katholischen Kirche diese Auffassung.

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31. Januar 2012

TP Zu Beginn des Jahres 2012 geben im und am kiosk gleich eine ganze Reihe neuer bzw. revitalisierter Zeitschriften ihren Einstand. Die Themenfelder, die von den Redaktionen beackert werden, sind breit gestreut: Es geht um den allgemein erwarteten Ruin; um die unverzichtbaren Gärstoffe Mode, Kunst und Kultur; und um das erschöpfte Selbst und wie erschöpft es wirklich ist.

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20. Dezember 2011

TP Heute lebt die Mehrheit der Menschen in Städten. Ein Drittel der Weltbevölkerung ist aktuell dabei, vom Land in die Stadt umzusiedeln. Das ist die größte Völkerwanderung, die es je gegeben hat. Die Stadt ist ein Erfolgsmodell. Und das 21. Jahrhundert verdammt sie zu diesem Erfolg, zu seiner Fortsetzung unter verschärften Bedingungen.

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29. November 2011

TP Wir werden gecoacht. Ratgeber geben uns für alles und jedes Rat. Hotlines sind 24 Stunden für uns da. Wenn nötig, auch länger. Assistenzsysteme leiten uns durch den Alltag, Kuratoren durch Museen und Ausstellungen. Amazon versorgt uns immer und überall mit Downloadware. Kein Fernsehdirektor, der sein Publikum nicht an der Hand nehmen und sicher durchs Programm führen will. Könnte ja sein, dass es was nicht versteht. Ogottogott. Audioführer gibt es an der Kasse.

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25. Oktober 2011

TP      Im Mai vergangenen Jahres haben wir im kiosk Beef! besprochen, das Magazin für Männer mit Geschmack. Ein bisschen lustig haben wir uns gemacht über dieses Feinschmeckerjournal für den gemeinen Fleischfresser, über dieses Hochglanzleitmedium für den Schnitzelburger. Doch mit der jüngsten Ausgabe kehrt tiefe Reue in uns ein. Wir schlagen uns beidhändig gegen die Brust und rufen allen, die es hören wollen, zu: Wir haben uns geirrt. Schrecklich geirrt. Denn das neue Heft ist einfach irre. Ein Muss für jede Küche, egal, ob sie mit Mann, Frau oder beiden bemannt ist.

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27. September 2011

TP Ach, Europa!

Europa ist nicht nur ein gemeinsamer Markt. Europa ist eine politische Idee. Und zudem bedauernswerter Weise ein Projekt der europäischen Eliten, die mit staunenswerter Unverfrorenheit über die Köpfe der betroffenen Bürger hinwegentscheiden und eine überfällige Demokratisierung der EU verhindern – mit dem ebenso hartnäckigen wie unverschämten Hinweis, dass der europäische Bürger noch nicht reif sei für eine eigene Meinung zu dem Projekt. Um es mit Frau Merkel zu sagen: Für das Projekt Europa ist der europäische Bürger …

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26. Juli 2011

TP Die fünfzigste Ausgabe des kiosk beschäftigt sich mit den menschlichen Abgründen und stellt mit Erschütterung fest, dass von einer Person, um sie ernst zu nehmen, immer noch dasselbe verlangt wird wie von einer Theorie: Konsistenz. Als ob es eine bewunderungswürdige Qualität wäre, in seinem Leben nie die Fronten gewechselt oder mal etwas Neues gedacht und ausprobiert zu haben.

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28. Juni 2011

TP In den Anfangszeiten der Geologie stritt man heftig um Ursprung und Bildung der Gesteine. Aus dem Feuer, sagten die Plutonisten, aus dem Wasser, die Neptunisten. Von den 100 Elementen des Periodensystems sind noch nicht einmal zehn an der Zusammensetzung der Gesteine beteiligt. Und doch gibt es so unterschiedliche Steine. Woher kommen sie? Gesteine sind Mineralaggregate, entweder monomineralisch wie reiner Kalkstein, der nur aus Calcit besteht, oder polymineralisch wie Granit, der sich aus Feldspat, Quarz und Glimmer zusammensetzt. Die ältesten Steine auf der Erde sind etwa 4 Milliarden Jahre alt und stammen aus Grönland, Kanada und Australien. Wir kennen die Steine vom Schulausflug in das Odenwälder Felsenmeer, von Wanderungen in den Kalk-Alpen, von Bildungsreisen zu den in vulkanische Tuffe gehauenen frühchristlichen Felsenkirchen im türkischen Kappadozien oder vom Brocken im Harz, wo bereits Goethe über die Entstehung der Steine nachgedacht haben will.

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