TP Heute lebt die Mehrheit der Menschen in Städten. Ein Drittel der Weltbevölkerung ist aktuell dabei, vom Land in die Stadt umzusiedeln. Das ist die größte Völkerwanderung, die es je gegeben hat. Die Stadt ist ein Erfolgsmodell. Und das 21. Jahrhundert verdammt sie zu diesem Erfolg, zu seiner Fortsetzung unter verschärften Bedingungen.
TP Wir werden gecoacht. Ratgeber geben uns für alles und jedes Rat. Hotlines sind 24 Stunden für uns da. Wenn nötig, auch länger. Assistenzsysteme leiten uns durch den Alltag, Kuratoren durch Museen und Ausstellungen. Amazon versorgt uns immer und überall mit Downloadware. Kein Fernsehdirektor, der sein Publikum nicht an der Hand nehmen und sicher durchs Programm führen will. Könnte ja sein, dass es was nicht versteht. Ogottogott. Audioführer gibt es an der Kasse.
TP Im Mai vergangenen Jahres haben wir im kiosk Beef! besprochen, das Magazin für Männer mit Geschmack. Ein bisschen lustig haben wir uns gemacht über dieses Feinschmeckerjournal für den gemeinen Fleischfresser, über dieses Hochglanzleitmedium für den Schnitzelburger. Doch mit der jüngsten Ausgabe kehrt tiefe Reue in uns ein. Wir schlagen uns beidhändig gegen die Brust und rufen allen, die es hören wollen, zu: Wir haben uns geirrt. Schrecklich geirrt. Denn das neue Heft ist einfach irre. Ein Muss für jede Küche, egal, ob sie mit Mann, Frau oder beiden bemannt ist.
TP Ach, Europa!
Europa ist nicht nur ein gemeinsamer Markt. Europa ist eine politische Idee. Und zudem bedauernswerter Weise ein Projekt der europäischen Eliten, die mit staunenswerter Unverfrorenheit über die Köpfe der betroffenen Bürger hinwegentscheiden und eine überfällige Demokratisierung der EU verhindern – mit dem ebenso hartnäckigen wie unverschämten Hinweis, dass der europäische Bürger noch nicht reif sei für eine eigene Meinung zu dem Projekt. Um es mit Frau Merkel zu sagen: Für das Projekt Europa ist der europäische Bürger …
TP Die fünfzigste Ausgabe des kiosk beschäftigt sich mit den menschlichen Abgründen und stellt mit Erschütterung fest, dass von einer Person, um sie ernst zu nehmen, immer noch dasselbe verlangt wird wie von einer Theorie: Konsistenz. Als ob es eine bewunderungswürdige Qualität wäre, in seinem Leben nie die Fronten gewechselt oder mal etwas Neues gedacht und ausprobiert zu haben.
TP In den Anfangszeiten der Geologie stritt man heftig um Ursprung und Bildung der Gesteine. Aus dem Feuer, sagten die Plutonisten, aus dem Wasser, die Neptunisten. Von den 100 Elementen des Periodensystems sind noch nicht einmal zehn an der Zusammensetzung der Gesteine beteiligt. Und doch gibt es so unterschiedliche Steine. Woher kommen sie? Gesteine sind Mineralaggregate, entweder monomineralisch wie reiner Kalkstein, der nur aus Calcit besteht, oder polymineralisch wie Granit, der sich aus Feldspat, Quarz und Glimmer zusammensetzt. Die ältesten Steine auf der Erde sind etwa 4 Milliarden Jahre alt und stammen aus Grönland, Kanada und Australien. Wir kennen die Steine vom Schulausflug in das Odenwälder Felsenmeer, von Wanderungen in den Kalk-Alpen, von Bildungsreisen zu den in vulkanische Tuffe gehauenen frühchristlichen Felsenkirchen im türkischen Kappadozien oder vom Brocken im Harz, wo bereits Goethe über die Entstehung der Steine nachgedacht haben will.
TP Gesamtausgaben – geht das heute noch?
Spr Der Typus des Großschriftstellers, der Roman um Roman und Preis um Preis sein Oeuvre und seine Reputation aufbaut und von einem Verlag – auch in Übersetzungen – durch eine lange schriftstellerische Laufbahn hindurch begleitet wird, ist wohl ein Modell, das immer mehr zu einem Relikt einer Vergangenheit der erratischen Nationalliteraturen – und der Jahrzehnte vor 1989 – geworden ist.
weiter lesen ’31. Mai 2011′
TP Es rumort und röhrt und blubbert. Über die Mühen der Ebene rollt der Donner. Die Hände schweben dicht über den Colts. Kick down:
Spr Deutschlands bestes Automagazin…
TP … wie die Hamburger Lead Academy 2010 befand, heißt ramp, ist um die 230 Seiten dick und steckt voller cooler Reportagen rund ums Auto. Der Sound ist so cool wie der eines Zwölfzylinders.
Es war, wie Hannelore Schlaffer in ihrem jüngst bei Hanser publizierten Essay über die „intellektuelle Ehe“ schreibt, die Liebesheirat, die die ständischen Hierarchien aufgelöst hat. Die Liebe, im 18. Jahrhundert vom Bürgertum erfunden, sollte diesem Schutz bieten vor den Zugriffen und Zumutungen des absolutistischen Staates. Was die Privat- und erst recht die superprivaten Herzensangelegenheiten der Untertanen anbelangte, waren die Herrscher und deren Sekretäre ausgeschlossen. Plötzlich gab es das Private auf der einen – und das Öffentliche auf der anderen Seite.
Zuerst die Diagnose:
Das alte Ägypten – Land der Pharaonen, Pyramiden und Götter – ist eine Erfindung des napoleonischen Europa. 100 Jahre später, im Europa des 19. Jahrhunderts, gedieh parallel zur dessen rasanter Industrialisierung eine neue Orientsehnsucht. Jetzt galt der Orient Europa, dessen rauchende Schlote die Luft mit Rußteilchen schwärzten, als eine heile, einfache und archaische Welt mit Kamel-Dung, Bauchtanz und viel heißer Luft. Wiederum 150 Jahre später beharrt der Westen auf seinem Glauben, dass Islam und Demokratie unvereinbar seien. Er täuscht sich womöglich ähnlich wie schon im Falle Russlands und Chinas, die entgegen der ritualisierten Glaubenssätze des Westens eigene Kapitalismen jenseits der Demokratie hervorgebracht haben. Zu Beginn des 21. Jahrhundert mögen Tunesien, die Revolution am Nil und vielleicht sogar der gesamte nordafrikanische Kontinent einen Islam jenseits von Despotismus und eine Demokratie mit islamischem Angesicht hervorbringen. Europa und der Westen sind verdutzt. Denkt man an die diversen Krisen und Skandale, die den Westen und speziell Europa in den vergangenen Jahren heimgesucht haben, dann scheint es, als ob wir uns ägyptischen Verhältnisse nähern. Ja, es gibt kaum noch Zweifel: Europa ist das neue Ägypten.
Und Ägypten?
Wir schreiten zur Therapie und greifen aus aktuellem Anlass zu: