Dass wir im #Alltag mit der #Vorstellung, die #Sonne kreise um die #Erde, gut zurecht kommen, zeigt eindrücklich, dass #Menschsein an die Erde #gebunden ist.

Dass wir im Alltag mit der Vorstellung, die Sonne kreise um die Erde, gut zurecht kommen, zeigt eindrücklich, dass Menschsein an die Erde gebunden ist.

Die #Psychologie hat dem #Menschen beigebracht, die eigene #Korruptheit noch besser zu verstecken – im #Analysiertsein.

Die Psychologie hat dem Menschen beigebracht, die eigene Korruptheit noch besser zu verstecken – im Analysiertsein.

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20. November, 2015

DIE ZUKUNFT DES MARS

© NASA/JPL-Caltech/MSSS (Foto Credit)

 

SpaceX-Chef Elon Musk ist ein Visionär mit weitreichenden Ambitionen – der Ambition nämlich, seine Visionen wahr werden zu lassen. Das ist ihm mit vielem gelungen, etwa mit PayPal, SolarCity oder Tesla Motors. Musk will auch den Mars besiedeln – und um diesen auf erträgliche Temperaturen aufzuheizen, möchte er Atombomben zünden.

Unabhängig davon, wie ernst es Musk mit seinem Vorschlag ist, verrät dieser doch einen ungebrochenen, um nicht zu sagen: kindlichen Glauben an die Segnungen der Technik. Technik ist vollkommener Dienst – und wie bei jedem Dienst kann man einen schlechten oder guten Dienstherrn haben. Diese schlichte Erkenntnis wird gern geleugnet, zumal von denen, die aus Opposition lieber glauben möchten, dass eine neue Technik auch einen neuen Menschen hervorbringt. Da die Jüngeren in eine Welt hineingeboren werden, die ersichtlich nicht die ihre ist, pflegen sie einen märchenhaften Glauben an alles Neue – wobei das Neue das eigentliche Produkt ist, das von Technik hergestellt wird. Das Neue verheißt, dass wir uns Schritt für Schritt (Fortschritt) der unumschränkten Macht annähern, die uns die Welt eines Tages untertan gemacht haben wird, vollständig unserem Willen gebeugt. Am Ende wollen wir uns mithilfe der Technik selbst machen und zum buchstäblichen Selfmade-Man werden. In ihm werden wir uns endlich dort sehen, wo wir nach unserer Überzeugung hingehören: auf dem wackligen Thron Gottes.

Gewiss, in wenigen Jahren wird fast alles anders sein: was wir tun, wie wir es tun und warum wir es tun; wie wir produzieren und konsumieren (wenn wir das noch im heutigen Sinn tun), wie wir arbeiten, wie wir lernen und forschen – und wie wir leben.

Viele Menschen sehen in der biologischen Evolution gewissermaßen eine natürliche Form des technischen Fortschritts – ein Optimierungsprogramm, das am Ende auf die beste Version hinausläuft. Doch was ist die beste Version einer Giraffe?

Technik ist der Versuch, die Welt in eine nützliche zu verwandeln. Das griechische Wort techné umfasste ursprünglich einmal all die Fertigkeiten, die nötig sind, um ein Haus zu bauen, vorausgesetzt, das Haus war eines aus Holz. Tekton ist der Zimmermann – und der steckt bis heute im Architekten, dem archi-tekton, dem ersten und obersten der Zimmermänner.

Technik ist nützlich, aber Nützlichkeit macht aus dem Menschen keinen besseren Menschen. Auch ein Haus macht aus einem, der Hilfe verweigert, keinen, der keine Hilfe verweigert. Technik macht aus dem Menschen noch nicht einmal unbedingt einen Menschen. Auch andere Lebewesen bedienen sich bestimmter Techniken. Selbst eine zur Perfektion getriebene Technik wird den Menschen nicht sein Menschsein garantieren, geschweige dieses verbessern können. Sie kann ihm nur dienstbar sein – ganz egal, was der Mensch aus sich gemacht hat. Während der Zeit des Nationalsozialismus war die Technik avanciert, was aber die Barbarei nicht verhindert hat, im Gegenteil: Technik hat sie erst effektiv gemacht.

Der Mensch ist nicht irgendwann in seiner Evolutionsgeschichte zum Menschen geworden, um seitdem eine bestimmte Entwicklungsstufe immer schon erklommen zu haben – so, wie man immer schon über einen Rüssel verfügt, wenn die Evolution erst einmal dafür gesorgt hat, dass man einen hat. Der Mensch muss vielmehr mit jedem neuen Exemplar wieder um sein Menschsein ringen.

Die Technik ändert sich, aber der Mensch ändert sich nicht. Es genügt noch nicht einmal, dass der Mensch geboren wird, um Mensch zu sein. Ein automatisiertes Menschsein gibt es nicht. Man ist nicht einfach Mensch, bloss weil man als solcher geboren ist (und weil es einem die Ärzte gesagt haben, dass man einer wäre, was nach Judith Butler ausreichte, um einer zu sein). Menschsein ist eine Herausforderung, eine Aufgabe, ein telos. Der Mensch ist das nicht festgestellte Tier – ein Wesen der Möglichkeit und reinen Potenz.

Für das Menschsein gibt es keinen Fortschritt außer dem, Mensch geworden zu sein. Technik allein kann niemals darüber befinden, ob aus einem Menschen ein Mensch geworden ist – zumal einer, der über genau diesen Zusammenhang aufgeklärt ist.

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Empfehlung: Peter Trawny Technik Kapital Medium. Berlin 2015: Matthes & Seitz

Editorial

Ich lebe in München und Leipzig, habe Philosophie und Literatur studiert, und arbeite als Autor, Essayist, Schriftsteller und Regisseur. Wie ich in DAS KOMMENDE BUCH geschrieben habe: Das Menschsein und die Erde, in deren wechselndem Licht es stattfindet, bleiben der entscheidende Maßstab.

DIE PHILOSOPHISCHE PRAXIS besteht genau darin, dass geistige Abenteuer als die einzige Möglichkeit anzuerkennen, das Dasein vor dem bloßen physiologischen Überdauern zu bewahren – einem Schicksal, das man ansonsten mit den Hecken und den Gletschern aus gefrorenem Methan an den Rändern des Universums teilte.

Auf dem schwierigen Gelände, wo es um die Gestaltung von Gedanken und Bildern geht und wo Probleme keine Lösungen haben, sondern Geschichte, werden Bedeutungen ständig hin und hergeräumt und verschoben. Die Welt ist nicht schon ausgemacht – ready-made. Und Geschichte ist kein Depot, sondern ein Horizont.
Es braucht Kraft, um die Fiktion als Fiktion anzuerkennen.

Ich sah die besten Köpfe meiner Generation zerstört von Ironie.

Literatur und Philosophie stehen für ein anspruchsvolles Dasein.
Darum geht es.
Niemand wird zurückgelassen.
Niemals langweilen.
Eben darin besteht die philosophische Praxis.