DAS STANDARD-MODELL DER PHYSIK

Beitragsbild von Sandro Halank, Wikimedia Commons, CC-BY-SA 3.0, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de

https://www.tumult-magazine.net/post/thomas-palzer-das-standard-modell-der-physik

Es geht mir hier um das Standardmodell des Fernsehens von der politischen Welt. Das unterscheidet sich nicht groß vom Standardmodell der Physik: Es ist ebenso unterkomplex wie gnadenlos berechenbar. Prozesse werden in Beliebtheitswerte und diese in bunte Tortenstücke aufgelöst. Wenn am kommenden Dienstag Wahl wäre …

 

In den frühen neunziger Jahren kannte ich einen, der die geradezu kunstaffine Idee verfolgte, die Konturen der unvergessenen Moderatorin und Russland-Versteherin Gabriele Krone-Schmalz, ohnehin wegen ihrer ewig selben Batman-Frisur prominent, mit dem Filzstift auf seinen tragbaren Kathodenstrahlmonitor zu kopieren, ihr Bewegt-Porträt sozusagen abzupausen – einfach, um festzustellen, ob Frau Krone-Schmalz eine Woche später auf der Mattscheibe wieder genau denselben Ausschnitt auf genau dieselbe Art füllen würde wie bei all den Sendungen zuvor. Und danach. Tatsächlich: Es passte. Immer. In Vergangenheit wie Zukunft. Unfassbar. Und gleichzeitig: prophetisch!

 

Seitdem ist das ÖRR in seinen Ritualen dermaßen ersteift, dass man von einem akustischen wie visuellen Priapismus sprechen könnte. Dabei folgt es stramm den Parteisprechern, die die Ritualisierung auf die Spitze getrieben haben. Das ÖRR bildet diesen Zustand ja nur ab. Zum Beispiel neulich in Sachsen-Anhalt. Bärbel Bas trumpft mit der unergründlichen Feststellung auf: „Wir haben unser Ergebnis gehalten! Man hatte uns abgeschrieben.“

 

Die Analysen der Parteisprecher münden immer und unfehlbar in fromme Selbstbestätigung – oder, geht es um den Gegner, in Panik nach DIN. Und das wiederum wird von den Moderatoren in sämtlichen Fragerunden immer nur wieder abgeholt.

 

Die Bildsprache des Fernsehens unterscheidet sich von diesem Vorgehen kaum: Sie beschränkt sich auf fünf oder sechs Einstellungen – und mit denen wird alles, aber auch wirklich alles gefickt: Merkel beim Aussteigen aus der Kanzler-Limousine vor dem Kanzleramt; Merz beim Einsteigen in die Kanzler-Limousine vor dem Kanzleramt; Sylvester in Montreal und rund um die Welt; Bohrtürme in der Nordsee; manchmal auch Ostsee; der schiefe Turm von Pisa im Gegenlicht; das Tor der Woche; die Ziehung der Lottozahlen; Scholz beim Rücktritt; Klimakleber auf einer Landebahn oder die Überreste von Troja. Mehr Monotonie geht nicht. Jeder einzelne der 25 FPS (Frames per Second) eines Bildes ist kurz davor, auszukühlen und zu Beton zu erstarren. Das ist, um sich einmal frech aus dem Begriffsrepertoire des Fernsehens zu bedienen, einsame Spitze!

 

Inzwischen ist die Situation, wie der Politologe Peter Graf Kielmansegg in der FAZ treffend diagnostiziert, die, dass nichts mehr ohne die AfD geht, nachdem alle darauf bestanden haben, dass mit der AfD nichts gehen soll. Eine herrliche Volte! Sie spricht für die Klugheit der politischen Klasse.

 

Für das größte Übel halte ich die Wahlprognosen. Eigentlich sollen die ja die eigentlichen Wahlen ersetzen, denn der Sinn der Prognose besteht darin, die Wahl vorwegzunehmen. Vorweggenommen, ist die Wahl keine mehr. Darin besteht die Volte, die den Leuten vom Politbarometer und der Forschungsgruppe Wahlen nicht ins Hirn will. Wenn das Thermometer 20 Grad minus anzeigt, geht man einfach nicht im T-Shirt aus dem Haus.

 

Über den Autor: Thomas Palzer ist Schriftsteller, Essayist und Philosoph. Er betreibt in Leipzig die Philosophische Praxis. Eine Übersicht seiner Arbeiten bietet die Webseite www.thomaspalzer.de

Das Beitragsbild zeigt den Autor, fotografiert von Ilka Birkefeld, 2026

                           

Leibniz-Preis 2018: Alessandra Buonanno – ARD-alpha Campus Magazin

 

Es war ein Lebenstraum von Alessandra Buonanno, der dieses Jahr in Erfüllung ging. 15 Jahre lang hat sie an der Modellierung von Gravitationswellen gearbeitet. Nun haben ihre Modelle den Nachweis erbracht: Einstein hat recht behalten.

Mit dem direkten Nachweis von Gravitationswellen, die bei der Kollision zweier schwarzer Löcher entstanden waren, gelang 2015 ein spektakulärer Nachweis der Gültigkeit der Allgemeinen Relativitätstheorie. Ein wesentlicher Baustein für diesen Erfolg waren die von der Direktorin am Max Planck-Institut für Gravitationsphysik, Alessandra Buonanno, entwickelten theoretischen Modelle, die es erlauben, die Signale der Gravitationswellen zu identifizieren und zu interpretieren.

Bereits als Postdoktorandin entwickelte Buonanno zusammen mit Thibault Damour den sogenannten EOB-(Effective One-Body-)Formalismus, eine extrem effiziente Methode, um die Bewegung binärer Systeme und ihre Emission von Gravitationswellen zu beschreiben. Buonanno entwickelte diesen Ansatz weiter, um auch Verschmelzungen von Neutronensternen erfassen zu können. Diese hoch verdichteten, massereichen Sterne werden vor der Verschmelzung deformiert, was Rückschlüsse auf ihre innere Struktur ermöglicht.

Mathematik ist die Sprache der Physik. Und wie mit jeder Sprache lassen sich über mathematische Operationen neue Wege finden. Alessandra Buonanno hat einen Weg gefunden, um aus dem Rauschen des Alls Gravitationswellen herauszufiltern.

Wie aber passen Mathematik und Welt zusammen?

Die Physik ist eine Karte. Sie bleibt auf die Wahrnehmung von Strichen und Maßstäben angewiesen.

Die Physik ist eine Karte. Sie bleibt auf die Wahrnehmung von Strichen und Maßstäben angewiesen.

#Bedeutungen haben #physische #Dimensionen.

Bedeutungen haben physische Dimensionen.

Der #Nabel ist das #Mysterium, wo #Physik in #Metaphysik umschlägt.

Der Nabel ist das Mysterium, wo Physik in Metaphysik umschlägt.

Was uns die #Physik als „#Welt“ anbietet, ist nicht #mondän genug, um eine zu sein.

Was uns die Physik als „Welt“ anbietet, ist nicht mondän genug, um eine zu sein.

#Leben ist eine letzte, in sich ruhende #Wirklichkeit, die sich nicht auf #chemische oder #physikalische #Prozesse #reduzieren lässt.

Leben ist eine letzte, in sich ruhende Wirklichkeit, die sich nicht auf chemische oder physikalische Prozesse reduzieren lässt.

Wie kommt es, dass nur dem #Raum #Qualitäten zugesprochen werden – der #Zeit aber nicht?

Wie kommt es, dass nur dem Raum Qualitäten zugesprochen werden – der Zeit aber nicht?

An den #Funktionen studieren wir die #Folgen: #Nichts ist aus sich #selbst – #alles ist #Folge.

An den #Funktionen studieren wir die #Folgen: Nichts ist aus sich selbst – alles ist Folge.

Die #Physik hält nur das für #wirklich, was so #klein ist, dass man es nicht #sehen kann.

Die #Physik hält nur das für #wirklich, was so #klein ist, dass man es nicht #sehen kann.

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11. Dezember, 2015