Fremdgehen. Grammatische Reflexionen

Das Problem jeder Sprache ist, dass sie in Kontakt mit anderen steht. So äußerst sich Kulturkritik mit Vorliebe als Kritik an Wörtern: Welches Fremdwort ist gut, welches überflüssig, und welches schlecht. An den Wörtern besteht das größte Interesse, denn Wörter gehören zum wichtigsten Bestandteil der Sprache. Das Metawissen über Sprache nennen wir „Grammatik“ – knowing what. Eine Sprache sprechen können bedeutet dagegen: knowing how.
Jede Grammatik ist eine Philosophie der Sprache – eine unter vielen möglichen -, und als solche ein Kind des Alphabets. Grammatik ist die Schlüsseltechnologie unserer Zivilisation. Sie kann nicht erlernt, sie muss intuitiv erfasst werden. Historisch gewachsen, ist das Verhältnis der Grammatik zur Muttersprache nicht theoretisch – wie oft geglaubt wird -, sondern ästhetisch. Es braucht Geschmack, um reden und argumentieren zu können, denn man muss nicht nur wissen, was zu sagen ist, sondern auch, wie es zu sagen ist. Der Muttersprachler „hört“, ob ein Satz so geht oder nicht so geht. Grammatik selbst wird gern beschrieben durch die Metapher des Ingenieurs: Man baut Sätze, konstruiert Satzbaupläne oder komplexe grammatische Gebilde.
Wenn wir an Grammatik denken, haben wir eher gemischte Gefühle. Der Grammatiker Robert Stockhammer von der LMU München sagt: “Das grammatische Wissen ist Macht, die vor allem in der Regulierung des Fremden mit den Mitteln der Schrift ausgeübt und in der Literatur reflektiert wird.“

FREMDGEHEN. GRAMMATISCHE REFLEXIONEN

Von Thomas Palzer.

Mit Axel Gottschick, Susanne Reuter, Bernd Reheuser.

Technik: Andreas Fulford.

Regie und Redaktion: Barbara Schäfer.

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