Martin Heidegger

Martin Heidegger.
Dokumentation, Deutschland © 2002 SWR / Kick-Film

Buch + Regie: Thomas Palzer. Kamera: Werner Schmidke. Ton: Olaf Krohn, David Heinemann. Schnitt: Isabelle Allgeier. Redaktion: Martina Zöllner. Produktion: Kick Film GmbH. Produzent: Jörg Bundschuh. Länge: 60 min. Vertrieb: Kick Film GmbH

Auszug (Server: Universität Graz)

 

Meine liebe Hannah! / Willst Du diesen Sonntag Abend (19.
VII.) zu mir kommen? Ich lebe in der Freude dieser Stunden. Komm gegen 9 Uhr! Wenn freilich die Lampe in meinem Zimmer brennt, dann bin ich durch eine Besprechung abgehalten. In diesem – unwahrscheinlichen – Fall komme am Mittwoch um dieselbe Zeit. Dienstag habe ich leider Graeca. Wenn Du kommst, bring den
Zauberberg II mit, falls Du ihn zur Verfügung hast. In den Tagen, als ich nicht arbeiten konnte, habe ich Band I in einem Zuge gelesen. Freilich müßte man das Buch ‚studieren’. Ich bin sehr beladen mit Examens- und Sitzungs- und Gutachtenkram und mehr Beamter als Mensch. Umso mehr freue ich mich auf ein Ausruhen mit Dir. Dein M.

Brief Martin Heideggers an Hannah Arendt am 17. Juli 1925

Von weit her kommt sein Denken, von Heraklit und Platon, aus Griechenland – er selbst kommt aus dem Schwarzwald. Heidegger – das ist der Name für eine lange und verwickelte Geschichte. Eine Geschichte, in der sich auch das Unglück der Deutschen wiederfindet.
Als junger Philosoph in Marburg liebt er eine jüdische Studentin. Später woird sie so berühmt wie er. Ihr Name: Hannah Arendt.

Martin Heidegger – der Name steht für Radikalismus und Provinzialität. Heideggers Verwicklungen in der Zeitgeschichte machten ihn zu einem der umstrittensten Denker des vergangenen Jahrhunderts. Eine Geschichte, in der sich auch das Unglück der Deutschen wiederfindet. Als junger Philosophieprofessor aus dem Schwarzwald verliebt er sich in eine jüdische Studentin, Hannah Arendt, die „Passion seines Lebens“. Das Dritte Reich begrüßt er, er möchte den Führer – Adolf Hitler – führen. Trotz allem ist Martin Heidegger in der heutigen Philosophie präsent wie kaum ein anderer – auf der ganzen Welt. Ein Film über das widersprüchliche Leben des großen Denkers, der so radikal wie kaum ein anderer die Frage nach dem Sinn der menschlichen Existenz gestellt hat.

1966 wurde der Philosoph Martin Heidegger von dem Spiegel-Journalisten Rudolf Augstein interviewt. Darin äußerte sich der öffentlichkeitsscheue Heidegger erstmals zu seinem Verhältnis zum Nationalsozialismus. Der Medienwissenschaftler Lutz Hachmeister beschäftigt sich in seinem Buch mit der Frage, wie es dazu kam.

Rezension: Lutz Hachmeister Heideggers Testament. Der Philosoph, der Spiegel und die SS. Berlin 2014: Propyläen